Philosophie

Das Fach Philosophie gibt es seit dem Schuljahr 2012/2013. Es wird als zweistündiges Unterrichtsfach im 11. Jahrgang unterrichtet. Weiterhin ist es als P4- und P5-Prüfungsfach wählbar. Voraussetzung für die Wahl von Philosophie als Prüfungsfach in der Oberstufe ist die Teilnahme am Philosophiekurs im 11. Jahrgang (G9)

Was ist Philosophie?

Philosophie ist der Versuch, sich einen Überblick über die individuelle Existenz zu verschaffen, die Analyse aktueller Fragestellungen und Ereignisse  sowie die Schulung im kritischen Denken.
Im Jahrgang 11 erwartet euch eine Einführung in das Thema Philosophie zu den Fragestellungen: Was ist Philosophie, wann philosophieren wir, wo philosophieren wir, was ist Philosphie und Alltag und was ist der Unterschied zwischen Philosophie oder Philosophieren?
Das Fach "Philosophie" ist bei uns ab dem Abitur 2015 als schriftliches und mündliches Abiturprüfungsfach mit grundlegendem Anforderungsniveau zugelassen.

Folgende Themen wären in der Einführungsphase denkbar::

- Was ist Philosophie?
- Wann, wo philosophieren wir?
- Philosophie und Alltag
- Philosophie und Philosophieren
- Kants 4 Grundfragen 

A) Theoretische Philosophie

Sachbereiche: Wissen, Erkenntnis, Sein
Leitfragen: „Was ist wirklich?“ oder (nach Kant): „Was können wir wissen?“ „Gibt es eine Wirklichkeit?" „Welche Vorstellungen von Realität sind denkbar?" 

B) Praktische Philosophie

Sachbereiche: Ethische Theorie und ethische Praxis, Sinndeutung
Leitfragen: „Was sollen wir tun?“  (Ferner: „Was ist der Mensch?“ und „Was dürfen wir hoffen?“), „Vernunft und Verantwortung"



2 Beispiele aus dem Unterricht (Dezember 2019)

Goldene Regel und kategorischer Imperativ

Zunächst muss geklärt werden, was diese beiden Dinge bedeuten.

Die Goldene Regel ist einfach zu erklären: sie verbirgt sich hinter der deutschen Volksweisheit "was du nicht willst, dass man dir tu', das füg' auch keinem ander'n zu". Sie bezieht sich also auf das Individuum und gibt vor, man handle dann moralisch, wenn man nur so handelt, wie man es selbst von anderen als wünschenswert erachtet. Der kategorische Imperativ nach Kant besagt dagegen, man solle "nur so handeln, wie man sich wünsche, dass es allgemeines Gesetz werde", also, wie man sich auch wünschen würde, dass alle auch untereinander so handeln, wie ich in diesem oder jenem Moment.

Im Grunde klingen sie recht ähnlich, allerdings gibt es doch einen großen Unterschied: den guten Willen. Nach dem kategorischen Imperativ kann eine Handlung nur nach ihren Absichten, nicht aber ihren tatsächlichen Folgen moralisch bewertet werden, da diese unvorhersehbar seien. Der gute Wille ersetzt hier die subjektive, individuelle Einschätzung der Goldenen Regel. Er ist die Absicht einer Handlung, und wenn diese moralisch gut ist und mit allen verfügbaren Mitteln verfolgt wird, dann ist es die Handlung selbst auch. Dabei werden die Interessen aller berücksichtigt und es wird möglichst nach objektiven Wertmaßstäben geurteilt. Damit soll ein gravierender Fehler der Goldenen Regel behoben werden: sie ist stark abhängig von den Vorlieben und Neigungen derer, die sie anwenden, und damit willkürlich. Während man also bei der Goldenen Regel von sich auf andere schließt, schließt man beim kategorischen Imperativ von der Allgemeinheit auf andere, was die Willkür minimiert, aber dennoch Raum für Fehlschlüsse lässt.

Beide Regeln versuchen, für individuelle Fragen allgemeingültige Lösungen zu geben, beziehungsweise viel geteilte Wertmaßstäbe zu verallgemeinern, wobei die Goldene Regel beim Individuum ansetzt und der kategorische Imperativ durch Verallgemeinerung der Handlungsmöglichkeiten und eine dadurch geschaffene, hypothetische Objektivität versucht, die Willkür des Individuums zu umgehen.

Elisa Lübbers


 

„Was Du nicht willst, dass man Dir tut, das füg auch keinem andern zu“

versus

„Handle nach derjenigen Maxime, durch die Du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Die Goldene Regel und der Kategorische Imperativ sind verschiedene moralische Handelsprinzipien. Während die Goldene Regel sich allerding auf die Wünsche des Individuums fokussiert, legt der Kategorische Imperativ den Fokus auf die Allgemeingültigkeit der moralischen Handlung.

„Was Du nicht willst, dass man Dir tut“ läuft konkret auf die Behandlung heraus, die sich das Individuum nicht wünscht. Die Goldene Regel fordert also in gewisser Weise die Projektion der eigenen Wünsche auf dem Gegenüber und eine dieser Projektion folgende Handlung.

Wie im Ausspruch des Kategorischen Imperativs bereits enthalten, legt dieser die moralischen Grundsätze fundamental fest, ohne Fokussierung auf die konkreten Wünsche des Individuums, aber unter Berücksichtigung der Allgemeingültigkeit der Bedürfnisse dieser.

Beide moralische Prinzipien werfen in ihrer Spezifität aber deutliche Probleme auf.

So hat in Bezug auf die Goldene Regel nicht jeder dieselben Wünsche, die es zu erfüllen gilt. Eine Person aus schlechteren sozialen Verhältnissen mit geringem Einkommen hat andere Ansprüche an Glück, als eine Person aus besseren sozialen Verhältnissen mit vergleichsweise hohem Einkommen. Während diese Person sich überspitzt gesehen nur mit Champagner und Kaviar zufriedengibt, ist die ärmere Person ebenso überspitzt bereits mit Wasser und Brot glücklich.

Das Handeln nach der Goldenen Regel ist also äußerst problematisch für Individuen, die Glück auf unterschiedliche Weise anstreben. Aber auch der Kategorische Imperativ ist nicht problemfrei, denn das Handeln nach festen Prinzipien verweigert einem einen Spielraum beim Anpassen der Moralität auf bestimmte Situationen. Dies ist zwar das Ziel der Festlegung fester Handelsmaximen, um Willkür zu vermeiden, birgt aber trotzdem Probleme.
Legt man als allgemeines Gesetz zum Beispiel fest, dass man nicht lügen darf, so sind auch Notlügen, die in bestimmten Augenblicken eine Situation entschärfen können, nicht mehr erlaubt.
Ein Handeln durch Abwägen ist somit nicht mehr möglich.

Beide Prinzipien sind also bei weitem nicht perfekt. Welches besser ist, liegt im Auge des Betrachters.

Maja Kneistler